Narzisstischer Vater

"Das Versüßen des Kinderlebens soll nicht mit Schokolade, sondern mit Liebe erfolgen."

Stefan Wittlin

Narzisstischer Vater "Mr. Supercharming-Eiskalt" oder der "Korrekte": Ebenso, wie narzisstische Mütter, gibt es natürlich auch narzisstische Väter.
Aber was zeichnet einen narzisstischen Vater im alltäglichen Leben aus?

Narzisstischer Vater: Wie erkenne ich ihn?
Auf welche Art und Weise beeinflusst dieser extreme Egoist das Leben und die Entwicklung seiner Töchter und Söhne? Was sind die "Langzeitfolgen" der Kinder?
..und wie mit ihm umgehen?


Er war eigentlich nie da, weder körperlich, noch geistig.
Hatte er die Möglichkeit ein Meeting weit weg zu verbringen, war er der Erste, der sich freiwillig in der Firma meldete. Noch motivierter war er, wenn er die Gelegenheit hatte, bei einem externen Termin die Geliebte zu treffen. Natürlich erklärte der narzisstische Vater der Familie das ganz anders:
"Dad muss wieder weg, dringende Termine, ach wie gerne wäre er doch zu Hause geblieben.."

 

Narzisstischer Vater: Wie tritt er auf?

In der Öffentlichkeit hegte er das perfekte Bild. Designerkleidung, immer modisch, ein tolles Auto vor der Tür, "Mr. Charming" bei allen Frauen, ob bei älteren oder jüngeren Frauen. Ein paar smarte, nette Worte, ein Lächeln, das war sein Geheimnis. Er hörte allen immer gerne oberflächlich zu und war eigentlich hilfsbereit und so fürsorglich lieb zu seiner Familie, er „opferte“ sich beruflich ja sozusagen für die Familie auf, musste er doch unter der Woche so viel arbeiten.….

Vielleicht war er aber auch der Ruhige, zurückhaltende, immer von allen in seinem Umfeld als den liebevollen Vater gesehene Mann. Der Vater, der nicht in der ersten Reihe stand, aber durch seine irgendwie schüchtern wirkende Art auffiel. Derjenige, der sich scheinbar immer aufopferte.

..aber dann gab es die zweite Seite von ihm, die niemand außer seiner Familie kannte.
Denn hatte er Druck durch beruflichen Stress, dann ließ er ihn raus. In völliger Rage fast Wahn, hinter verschlossener Tür, wenn er ausnahmsweise mal zu Hause war verschaffte er sich Luft. Dafür brauchte es nicht viel, eigentlich gar keine Gründe…

 

Narzisstischer Vater: Wie kann so ein Leben in der Familie aus Sicht der Kinder aussehen?

Sein Sohn wollte immer nur eins: Anerkennung und dass sein Vater stolz war. Stolz war auf sein Fußballspiel, nur einmal am Rand des Feldes seinen Vater sehen. Zu spüren und zu sehen, dass er ihm wirklich bei seinem Spiel zusah und ihn, nur ihn anfeuerte. Das war sein größter Wunsch. Er kam genau zweimal zu einem Fußballspiel in den letzten 18 Jahren. Die Zeit des Spiels nutzte er aber, sich am Wurststand zu unterhalten, oder mit den anderen anwesenden Müttern zu flirten. So war er eben.

Manchmal war sie Papas Prinzessin - dann nannte er sie auch so. Der leicht ironische Unterton, den hatte sie gelernt auszublenden. Es gab ihr so viel, einmal kurz die Prinzessin zu sein. Zumindest in seinen Worten. Auf Feiern streichelte er ihr liebevoll über den Kopf, wenn möglichst viele es sahen und dann sagte er es wieder „Prinzessin“.
Ein paar Tage später war er schlecht drauf: schlechte Zahlen von der Firma, Druck und dann machte sie diesen Fehler: Sie vergaß die Tasse gleich in den Geschirrspüler zu räumen. Da hört sie es wieder - und es tat ihr unbeschreiblich weh: „Wer hat hier wieder die Tasse herumstehen lassen“. Er sah sie wutentbrannt und zornig an: „Du bist in jeglicher Hinsicht eine Enttäuschung." Sie packte die Tasse weg und schwieg, wie immer. Denn seinem Vater gab man einfach keine Widerworte.
Es klingelte, Freunde der Familie kamen. Da saßen sie wieder, gemeinsam am Kaffeetisch, er streichelte ihr Haar und bat die Prinzessin, doch Milch aus dem Kühlschrank für die Gäste zu holen.

So, oder so ähnlich können sie aussehen, Auszüge eines Lebens mit einem narzisstischen Vater.
Nicht nur narzisstische Mütter, auch narzisstische Väter hinterlassen schwere Narben bei ihren Kindern. Narben, die erst nach langer Zeit und häufig erst mit Hilfe von externen Experten heilen können.

 

Narzisstischer Vater: Aber wie erkenne ich ihn?

Ebenso wie die narzisstische Mutter, kann man natürlich auch den narzisstischen Vater anhand des Diagnostischen und Statistischen Manuals (DSM) analysieren weiter zu meinem Blogartikel in dem das DSM thematisiert wird

Will man weitere Informationen zum Thema "narzisstischer Vater" und Anhaltspunkte zum Thema haben, die valide und auch für den Laien verständlich  sind, ist der deutsche Markt, wie immer, sehr übersichtlich. Aber in den USA bin ich - wie so oft - fündig geworden.

Bei „Psychology today" habe ich eine tolle Übersicht gefunden. Sie trägt den Titel
„Hier sind einige Anzeichen, dass Dein Dad narzisstische Tendenzen hat, oder ein eindeutiger Narzisst war“.
Diese Punkte habe ich übersetzt, den Originalartikel findet ihr hier > zum Artikel bei psychologytoday

 

Narzisstischer Vater: mögliche Anzeichen 

Dad war egozentrisch und ziemlich eitel.
Er hatte ein aufgeblasenes Selbstwertgefühl, das ihn dazu veranlasste zu glauben, er sei allen überlegen und der ihn mit dem Umgang der „Besten“ privilegierte.

Dad benutzte Leute zu seinem Vorteil.
Er nutzte andere, um sie auszubeuten, immer dann, wenn es ihm passte. Jeder schien ihm zu dienen, oder zumindest erwartete er das von jedem.

Dad war charismatisch.
Jeder wollte sich mit ihm umgeben und er genoß die Bewunderung von anderen. Er liebte es, im Rampenlicht zu stehen. Er genoss die Stärke, die er bekam, wenn er im Zentrum der Aufmerksamkeit stand.

Niemand hatte so eine Phantasie wie Dad.
Grandiosität ist verlockend, ebenso wie seine Phantasien von Erfolg, Prestige und Brillanz: Er übertrieb oft seine Leistungen und hatte unrealistische Ambitionen und Ziele.

Dad nahm die Kritik nicht gut an.
Nichts verletzte ihn so, wie Kritik an seiner Person. Er eliminierte Leute, die ihn kritisierten oft aus seinem Leben oder versuchte, sie ebenso zu verletzen, wie sie ihn gekränkt hatten.

Dads Wut war wirklich beängstigend.
Manche Leute werden wütend und schreien viel. Dad könnte mit seinem Zorn so verletzen, dass es tief unter die Haut bis auf die Knochen ging.

Dad konnte unnahbar und unsympathisch sein.
Narzissten erleben keine Empathie; Sie können sich nicht in andere hinein fühlen. Natürlich war er besonders empfindlich für das, was er fühlte, aber für andere hatten keinen Sinn und keine Empathie.

Dad war nicht oft anwesend.
Er holte sich seine „Befriedigung“ außerhalb der Familie. Andere Väter waren häufiger bei ihren Familien. Er sehnte sich geradezu nach Aufregung und schien sich mehr darum zu kümmern, was andere von ihm dachten, als sich darüber Gedanken zu machen, was seine eigenen Kinder über ihn dachten und wie sie sich fühlten.

Dad tat, was er wollte, wenn er mit Dir zusammen war.
Narzissten machen nicht gerne das, was andere wollen, sie wollen selbst bestimmen. Dad machte Sachen mit Dir die er genoss; vielleicht hast du das auch getan.

Dad wollte, dass seine Freunden und Kollegen Dich bewunderten.
Du warst ihm am wichtigsten, wenn er sich mit Dir rühmen konnte; traurig aber wahr.

Du konntest nicht wirklich bekommen, was Du von ihm benötigst.
Selbst wenn Dad Dir auf materieller Ebene etwas geboten hat, fühltest Du Dich auf eine subtilere Art beraubt. Zum Beispiel, dann wenn Du Aufmerksamkeit und Zuneigung bekommen wolltest: Beides bekamst Du nur sporadisch, und auch nur, wenn es für ihn hilfreich war und möglich.

Wie soll ich diese Punkte im Hinblick auf den narzisstischen Vater nun bewerten?

Auch bei diesen Punkten gilt natürlich, wie immer beim Narzissmus, dass es kein „schwarz oder weiß“ gibt.
Nicht alle Punkte müssen zutreffen, damit es sich um einen narzisstischen Vater handelt. Denkt man zum Beispiel an einen verdeckt narzisstischen Vater, so wird dieser vermutlich Charismatisch sein, das totale Zentrum der Aufmerksamkeit könnte bei ihm aber eher Angstzustände auslösen. 

Trotzdem finde ich diese Punkte sehr greifbar und passend um eine erste Analyse für sich selbst durchzuführen. Gemeinsam mit dem DSM sicher ein erstes, brauchbares Tool im Hinblick auf den narzisstischen Dad.


Die Beeinflussung des narzisstischen "Erzeugers" auf das Leben der Kinder

Sehr schön ist in dem Artikel auch noch erklärt, in wieweit narzisstische Väter ihre Töchter und Söhne beeinflussen. Deshalb möchte ich dies hier auch noch einmal darstellen:

Die Tochter des narzisstischen Vaters:

Töchter von narzisstischen Vätern beschreiben oft das Gefühl des „nicht erfüllt sein“. Gerade wenn es darum geht, was sie von ihrem Dad erhalten haben im Verhältnis von dem was sie eigentlich brauchten. Sie haben also nie genug bekommen und konkurrierten mit ihren Geschwistern um die Zeit mit ihrem Dad. Als kleines Kind hat der Dad vielleicht noch bemerkt, wie schön die Tochter doch ist. Aber als die Tochter älter wurde, verpasste er keinen Kommentar zu Gewicht und Haltung der Tochter.

Die Auswirkung seines Verhaltens
Die Tochter wird dieses „es ist nie genug“ Gefühl bis ins Erwachsenenalter in sich tragen, auch wenn sie scheinbar erfolgreich ist. Wenn sie mit Männern (oder Frauen) zusammen ist, fühlt Sie sich oft verwundbar und ist immer besorgt, dass Sie für jemand anderen plötzlich verlassen wird. Ängstliche Zurückhaltung oder die Übernahme der narzisstischen Rolle sind vermutlich dann ihre Wege, um Beziehungen sicher zu halten; Dies ist aber unstabil und ein Selbstschutz. (Man wird als Tochter verlieren.)

Denn: Eine Tochter braucht die Verehrung ihres Vaters;
es bestärkt sie und hilft ihr, ihre Besonderheit zu verinnerlichen. Gesunde Väter geben ihren Mädchen dieses Geschenk. Sie sind besonders und verdienen Liebe, dafür das sie auf der Welt sind. Dass sie so sind, wie sie sind.

Der Sohn des narzisstischen Vaters

Als Sohn eines narzisstischen Vaters hast Du niemals das Gefühl, dass Du Dich messen kannst.
Dad war so auf Konkurrenz und Wettbewerb ausgerichtet,  dass er sogar mit Dir konkurrierte. Du hast vielleicht eine Niederlage akzeptiert, obwohl sie keine war, denn Du würdest als Sohn nie Deinen Vater übertreffen wollen. Oder Du hast vielleicht hart daran gearbeitet, um Dad in seinem eigenen Spiel zu schlagen, nur um seine Aufmerksamkeit und einen Anschein väterlichen Stolzes zu bekommen. Du hattest irgendwie nie das Gefühl, gut genug zu sein.
Auch wenn Du als Sohn Erfolg hattest, fühltest Du Dich immer noch leer und wie eine zweite Wahl.

Genau wie Mädchen müssen Söhne von ihren Vätern angebetet werden. Um sich bestärkt zu fühlen, brauchen Jungen auch ihren Vater, der an sie glaubt. Sie können sich ansonsten ebenfalls zum Narzissten entwickeln. Auf diese Weise erhalten Sie dann Dads Aufmerksamkeit denn Nachahmung ist die höchste Form der Schmeichelei für die narzisstischen Väter. Und Sie lernen von Ihrem alten Vater, wie man manipuliert und Menschen benutzen kann. So traurig es auch ist.

Die Auswirkungen eines narzisstischen Vaters sind, wie auch bei der narzisstischen Mutter sehr dramatisch sowie ver- und auch zerstörend. Ein narzisstischer Vater hat nachhaltige Auswirkungen auf die gesunde Entwicklung des Kindes, wie man in der Beschreibung deutlich erkennen kann. 

Narzisstische Mutter und Vater?

Es beeinträchtigt ein Kind in seiner Entwicklung sicherlich schon genug, wenn einer der Elternteile unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Besonders schlimm ist es natürlich dann, wenn es sich in der Familie vielleicht sogar um eine besondere Situation handelt: In dem Moment, in dem beide Elternteile - also Vater und Mutter - unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden. 

Ich persönlich denke, dass dies besonders bei der Generation vorkommt, die bereits sehr früh und schnell geheiratet und dann noch Kinder bekommen hat.
Eltern der Generation der 70er und 80er Jahre. Dann, wenn die „Veliebtheit“ oder Faszination (Honeymoon Phase) beider Narzissten noch vorhanden war und beide ihren Narzissmus noch nicht vollständig ausgelebt haben. Vielleicht kommt dann noch die Ausprägung der Generation „wir lassen uns nicht scheiden und halten aus“ hinzu. Zum Beispiel denke ich hier an ein ländliches oder sehr spießiges Umfeld, in denen Trennung „sowieso keine Lösung“ ist.  Man hält lieber aus - auf Kosten der Kinder.

Allerdings hier aber auch erwähnen, dass sie selbst Opfer sind. Denn häufig sind bereits ihre Eltern narzisstisch geprägt. Es ist also ein Generationsproblem, dass sich wie eine "Seuche" an die nächste Generation weiter "vererbt", wird es nicht von einer Generation durchbrochen. DAS ist aber noch einmal ein neuer Themenkomplex.

Sind beide Eltern Narzissten, entsteht meiner Meinung nach eine extrem gefährliche und zerstörerische Mischung, besonders für die Kinder dieser Paare. Denn - Dr. Judy WTF beschreibt es sehr treffend - entsteht das „double dungeon“, also das doppelte Verließ. Ein Verließ, dass beidseitig geschlossen ist und aus dem man -als kleines Kind- keinen Ausweg hat. 

Hinzu kommt dann, dass ihrer Meinung nach „childhood is a hostage situation“- „Kindheit ist mit einer Geiselnahme gleichzusetzen ist“. Das Kind ist abhängig von den Eltern, es will um jeden Preis geliebt werden.

Stellt man sich nun eine Geiselnahme mit dem Leben in einem Verließ vor, aus dem man nicht gerettet wird, kann man sich in etwas vorstellen, was Kinder dieser Eltern erleben. Vielleicht kann man dann auch nachvollziehen, welche Spätfolgen dadurch entstehen können. Und dass diese Kinder Opfer sind und keinerlei Verantwortung tragen.


Narzisstischer Papa
Was soll ich machen, wenn ich denke, dass mein Dad ein Narzisst gewesen ist oder ich eventuell sogar in einem „double dungeon" gelebt habe?

Sicherlich ist möglich zu versuchen, einen Kommunikationsweg zu finden, in der man nichts erwartet und versucht, sich nicht verletzen zu lassen. Grenzen zu setzen ist ein Weg und auch selbst entscheiden, wann es Zeit ist, zu gehen. Ich denke, wie bei allen anderen Narzissten kann ich hier auch auf meinen Artikel zum (Nicht-)Umgang mit Narzissten verweisen weiter zum Artikel 

Die Kindheit ist allerdings auch ein sehr fundamentaler Teil des Lebens. Sie beeinflusst den weiteren Werdegang, sei es beruflich oder privat. Vielleicht war eine solche Kindheit auch so stark beeinflussend, dass es manchmal deshalb auch sinnvoll ist, sich einer fundierten Therapie zu unterziehen. Hilfe findet man auf www.bptk.de oder auf den Websites der jeweiligen Ärztekammer des Bundeslandes.

  

Wie ist der Umgang mit einer narzisstischen Ma und einem narzisstischen Dad nach einer möglichen Therapie?

Eine spannende Frage
Haben betroffene Kinder einen neuen Weg durch eine Therapie gefunden und sehen diese die Dynamiken klar, bedeutet das natürlich nicht, dass die Eltern sich auf dem gleichen Stand befinden.
Häufig entstehen dann neue Konflikte für die therapierten und ich sage mal „geheilten“ Kinder. Das beschreiben Dr. Judy WTF und Walt ich einmal ganz gut in ihrer Sendung  > weiter zur Sendung von Judy & Walt

Sehr schön wurde dieser neue Konflikt von beiden auch noch einmal anhand des Liedes von Phil Collins „no son of mine“ geshrinked weiter zum Song bei > "Songs über Narzissten" 

Ich denke aber auch, wenn der, wie und dem Lied beschriebene Vater den Sohn in seiner neuen Rolle nach einer Therapie nicht akzeptiert, ist es trotzdem doch sehr positiv.
Denn so hat der Sohn die Chance, nun ein selbstbestimmtes und freies Leben zu führen. Auch wenn es ohne seinen Vater sein wird, so wird es vermutlich ein glückliches Leben werden, in einem neuen, gesundem Umfeld!

> zu meinem Video-Channel "Narzissmus verstehen" bei Youtube oder > zu weiteren Blogartikeln von mir zum Thema Narzissmus

...wer schreibt hier?  
Mein Name ist Marie und beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Thema Narzissmus. Wenn Ihr mehr über mich erfahren wollt, geht es hier weiter

 

 

 

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