Narzissmus und Verletzlichkeit: Warum verletzen Narzissten andere Menschen so sehr?

Narzissmus und Verletzlichkeit

Komm mir nicht zu nah!

Narzissmus und Verletzlichkeit: Warum verletzen Narzissten andere Menschen so tief?
Spüren Narzissten, dass sie andere verletzen und auch wie stark sie damit andere Menschen negativ berühren? Können sie eigene Verletzlichkeit überhaupt zulassen?
Wie geht es ihnen damit?

Narzissmus und Verletzlichkeit: Verletzlichkeit ist Teil unseres Lebens. Jeder von uns wird von Menschen verletzt und natürlich lässt es sich nicht vermeiden, andere zu verletzen. Wir lernen damit umzugehen und versuchen auch damit zu wachsen.
Hat man es mit Narzissten zu tun und beobachtet man ihr narzisstisches Verhalten, stellt sich schnell die Frage: Warum verletzen Narzissten andere so oft und scheinbar so offensichtlich und gezielt? Warum sind sie ihrer Umwelt gegenüber so unsensibel?
Wie sieht es mit dem Thema Narzissmus und Verletzlichkeit aus, wie gehören diese beiden Bereiche zusammen?

Warum zum Beispiel schenkt eine narzisstische Mutter ihrer Tochter ein geschmackloses Kleidungsstück zum Geburtstag und das zum wiederholten Mal. Obwohl sie ihre Enttäuschung in dem Gesicht ihrer Tochter ganz genau sieht. Warum kommt die Narzisstin zu einem wichtigen beruflichen Essen mit Geschäftspartnern des Lebensgefährten kurzfristig einfach nicht. Warum erniedrigen narzisstische Väter ihre Töchter vor ihren Freunden und lästern in aller Öffentlichkeit über scheinbare Mängel, ganz ohne Schamgefühl. Auch wenn jeder sehen kann, dass die Tochter mit den Tränen ringt.
 Spüren Narzissten, das und auch wie sehr sie andere verletzen? Können sie eigene Verletzlichkeit überhaupt zulassen? Wie geht es ihnen damit?

Narzissmus und Verletzlichkeit

Um das zu verstehen, muss man erst einmal sehen, dass Verletzlichkeit und Narzissmus eng mit dem Thema „Bindung zwischen Menschen“ zusammenhängt.
So führt eine unsichere Bindung in der Kindheit häufig zu einer Vermeidung von Intimität im Erwachsenenalter. Dieses Muster entsteht also bereits dann, wenn der Narzisst noch gar kein Narzisst, sondern ein unschuldiger Säugling ist.
Diese kurze, erste Erläuterung zu Narzissmus und Verletzlichkeit umfasst nur einen Bruchteil des Themengebiets. Beginnen werde ich damit zu erklären, wie schon die frühe Kindheit den Grundstein für den Umgang mit Verletzlichkeit im Erwachsenenalter des Narzissten legt.

Der Beginn: Die frühe Kindheit und die "gestörte Verletzlichkeit" bei Narzissten

Damit ein Säugling Zuneigung und Interesse für andere entwickelt, benötigt er dieses Interesse von der Umwelt genauso wie liebevolle Reaktionen auf sein Verhalten. Es kommt dabei auf das wechselseitige Agieren zwischen Säugling und der Mutter oder dem Vater bzw. jeder anderen Bezugsperson an. Es geht darum, den Säugling nicht zu überfordern, sondern ihn darin zu unterstützen, seine Erfahrungen zu machen, und ihm so ein positives Erlebnis mit der Welt zu verschaffen. Das heißt beispielsweise, dass der Säugling schreit, die Mutter ihn tröstet und ihn liebevoll umarmt und ihm das Gefühl gibt, dass alles in Ordnung ist. So wäre es optimal. 
Kommt diese Zuneigung von den Bezugspersonen nicht, so erfolgt der sog. „narzisstische Rückzug“. Das bedeutet, der kleine Säugling kann eben diese beiden Fähigkeiten - Interesse und Zuneigung für andere - nicht richtig ausprägen. Er hat sehr schlechte Erfahrungen gemacht, die bei ihm verankert sind. Es besteht dann eine Wahrscheinlichkeit, dass hier der Grundstein des narzisstischen Verhaltens gelegt wird.


Die Auswirkung dieser Kindheit auf das Verhalten des Narzissten im weiteren Leben

(Fachinformationen habe ich aus dem Buch "Narzissmus" von Kernberg > zum Buch )

Abwendung und narzisstische Wut

Dieses Verhalten der Eltern beim Umgang mit dem Säugling kann im Verlauf des weiteren Lebens zu einem extrem intensiven Bedürfnis nach „eigener Wichtigkeit“ beim Erwachsenen führen. Dieses entsteht, um eben diese schrecklichen Erfahrungen zu kompensieren. Wie zeigt sich das? 
Jeder kennt es, dass Menschen sich auch einmal von einer anderen Person abwenden, so ist das „normale“ Leben. Wenden sich Personen aber von dem Narzissten ab, der eben die erwähnten Erfahrungen als Säugling gemacht hat, so ist der Narzisst verletzt. Das heißt dann bei einem Narzissten aber über das „normale Maß“ hinaus zu reagieren und - ich vermute mal auch - eben so stark die Verletzungen zu spüren. 
Ein Abwenden anderer Personen führt dann teilweise zu narzisstischer Wut, die sich in extremer Verletzung und starker Entwertung der Aussenwelt äußert. Mit diesem Verhalten reguliert der Narzisst seine Emotionen und versucht die Verletzung zu kompensieren. Der Effekt ist dann aber, dass sich die Aussenwelt noch mehr zurück zieht. Die Selbstbezogenheit des Narzissten wird dadurch noch mehr verstärkt. Das kann zum Beispiel in Form von Grenzüberschreitungen und passiver Aggressivität geschehen.
Ein Beipiel aus diesem Bereich: Die Narzisstin weiß, dass der Partner, der auf einem Businesstrip ist, einen extrem anstrengen Arbeitstag hatte und sich früh hingelegt hat um Power für den nächsten Arbeitstag zu haben. Kurz vor Mitternacht ruft sie ihn noch einmal an und behelligt ihn mit einem für ihn stressendem Thema, genau wissend, ihn zu wecken und ihn aufzuwühlen.
Es kann aber auch sein, dass die Verabredung mit einem Narzissten für eine geplante Veranstaltung von ihm ganz kurzfristig abgesagt wird ohne weitere Begründung. Dadurch wird dem anderen der Wert und die Machtposition des Narzissten demonstriert.

Narzissmus und Verletzlichkeit: Verlorenes Vertrauen in andere Menschen

Der Narzisst hat aufgrund seiner frühkindlichen Erfahrungen kein Vertrauen in andere. Das führt dazu, die Grundeinstellung auszuprägen, sich nur auf sich selbst zu verlassen. Hilfe der Umwelt wird kategorisch abgelehnt oder es wird anderen immer wieder signalisiert, dass der Narzisst es im Zweifel sowieso besser kann. Auch das kann der Narzisst in einer sehr verletzenden Weise tun. Seine Außenwelt macht es ihm nie recht, nur er weiß, wie das perfekte Ergebnis erzielt wird. Dadurch wird die Aussenwelt natürlich auch abgewertet. Für Kinder narzisstischer Eltern ist das besonders dramatisch, denn sie wachsen mit der Erfahrung auf, dass sie es den narzisstischen Eltern nie recht machen. Keine perfekten Noten, der Tisch wird nicht perfekt gedeckt, das Essen schmeckt nicht perfekt. Ein Haar in der Suppe findet sich sicher immer, das zu einem Drama führt. Das ist schleichendes Gift für die Kinderseele und das Selbstbewusstsein.



Der Drang nach dem "Endzustand", der absoluten Perfektion

Narzissten wollen möglichst perfekt und etwas ganz Besonderes sein.
Sie hoffen immer, damit die so stark ersehnte Anerkennung und Bewunderung von ihrer Aussenwelt zu bekommen. Damit möchten sie diese schlechten Erfahrungen der Vergangenheit und den Schmerz aus der frühen Kindheit, der daraus resultiert eben scheinbar „nicht perfekt“ gewesen zu sein, abzuwehren. Da es aber in der Realität immer wieder zum Scheitern kommt, steigen die Ansprüche stetig höher, gleichzeitig erkennen sie aber, dass es die Anerkennung von der Aussenwelt nicht gibt. Das liegt psychologisch gesehen daran, dass die eigene Wertschätzung fehlt. Ein Teufelskreis.

Sie versuchen einen beruflichen Erfolg zu erzielen, aber die Beförderung bekommt ein anderer. Die Kinder schaffen nicht das beste Abitur. Der eigene Garten hat einen geringeren Ertrag als der Garten der anderen.

Das Konzept „Vermeidung von Misserfolg“


Narzissten haben ein Fortschritts- und Leistungsdenken und das Bestreben einen gewünschten (End)Zustand zu erreichen.
Geleitet ist das ganze vom „pflichtbewussten Sicherheitsdenken“.
Klingt sehr theoretisch, ist es aber nicht.

Das kann das Ziel sein eine Frau mit zwei Kindern zu haben oder einen wohlhabenden Mann zu finden, möglichst mit einem Porsche vor der Tür. Genauso kann es aber auch der gewünschte Zustand sein, immer von allen bewundert zu werden.
Was heißt das nun im strategischen Verhalten des Narzissten?
Der Narzisst bemüht sich Abweichungen vom diesem gewünschten Endzustand zu vermeiden. Das heißt, er will „Treffer“ landen und „Nieten“ unbedingt ausschließen. Es soll also unbedingt vermieden werden, dass der innere, emotionale Kern, an dem Verletzungen weh tun und den ja jeder „normale Mensch“ kennt, nicht berührt wird. Jede potenzielle Berührung damit soll möglichst früh und effektiv abgewehrt werden. Misserfolge haben eben genau diesen Effekt. Deshalb wollen Narzissten Misserfolge vermeiden. Sie wollen sich selbst vor Verletzungen schützen und das eben um jeden Preis.

Zur Strategie zur Vermeidung von Misserfolgen gibt es in der Psychologie verschiedene Wege:

Die Strategie des Narzissten ist die „Maximierung der Selbstaufwertung“. Das bedeutet, sie handeln offensiv, stellen sich in ein gutes Licht, um dann den maximalen Gewinn zu erzielen und die negativen Folgen auszublenden. Dafür nehmen sie eben auch gezielte Verletzungen anderer in Kauf. Sie erhöhen sich damit selbst, auch wenn dies negative Auswirkung auf ihre Umwelt und die Beziehung zu dieser hat. Getrieben werden sie wahrscheinlich von den positiven Erfolgserwartungen. Es geht nicht um ein miteinander mit anderen, sondern um das eigene Weiterkommen - auf Kosten anderer menschlicher Beziehungen wie Freunde, Familie und den Partner.

Das ist alles ziemlich theoretisch, wie sieht das praktisch aus?

Im alltäglichen Leben passt das Thema Eifersucht sehr gut: Ein Narzisst ist mit seiner Partnerin auf einer Party. Obwohl sie ihm bereits vor der Party gesagt hat, dass er nicht wieder so viel flirten soll, geht es bereits los, als der Raum betreten wird. Der Narzisst ist unruhig, schaut sich um und sucht die Blicke der anderen im Raum. Er bemerkt aber, dass von den Partygästen die notwendige Resonanz ausbleibt. Für ihn ist aber eben das der eigentliche Gewinn des Abends und das Ziel seines Selbstkonzepts eben der Schönste und Begehrteste zu sein. Also legt er es immer offensiver darauf an, an sein Ziel zu kommen. Er spricht Frauen an, flirtet, bringt ihnen Getränke und küsst sie auf die Wange. Im Beisein seiner anwesenden Freundin, die ihm nach einiger Zeit eine Szene macht.
Der Narzisst hat sein Ziel erreicht:
Er hat die Aufmerksamkeit der weiblichen Partygäste durch seine Umwerbung bekommen und sein Selbstkonzept ist wieder reguliert - er war aus seiner Sicht scheinbar der Schönste und Begehrteste. Gleichzeitig hat er eine Machtdemonstration gegenüber seiner Freundin durchgeführt und sich so ebenfalls emotionale Stabilität „geholt“. Alles in allem ein sehr gelungener Abend für ihn, seine narzisstische Zufuhr und für sein Selbstkonzept.

Das ist ein sehr plakatives Beispiel, aber es verdeutlicht Euch vielleicht die Abläufe hinter dieser Dynamik (die bei ihm unbewusst abläuft).

Narzissmus und Verletzlichkeit: Merkt der Narzisst denn nicht, wie sehr er andere verletzt?

Diese Frage kommt zwangsweise auf, wenn man sich damit beschäftigt. Ich denke, diese Frage ist ebenso zu beantworten wie die, ob man einem Narzissten sagen sollte, dass er ein Narzisst ist, damit er es selbst erkennt.
Für beides wäre eine Selbstreflexion des Narzissten notwenig. Dann müsste der Narzisst sein Verhalten reflektieren und sich selbst kritisch sehen. Aufgrund seines nicht vorhandenen oder mangelnden Selbstbewusstseins kann der Narzisst dieses nicht. Er würde es nicht ertragen.
Deshalb ist es meiner Meinung nach Teil seiner „hidden Agenda“, also seine krankheitsbedingte Verhaltensdynamik. Meiner Meinung nach stehen Narzissten eben nicht morgens auf und überlegen sich genau, wie sie andere Menschen an diesem Tag genau verletzen. Es sind einfach Abläufe, die sie sich angeeignet haben aufgrund der schlechten Erfahrungen (siehe oben) um wahrscheinlich auch selbst in der Kindheit zu überleben.

Mentalisieren und Narzissmus: Versetz dich mal in meine Lage!

Der Psychologie Fonagy meint, dass Narzissten nur bedingt fähig zur Mentalisierung sind. Ich glaube, da liegt eine sehr gute Erklärung.
Mentalisierung ist das sich vergegenwärtigen psychischer Vorgänge. Was heißt das nun?

Mentalisiert eine Person, dann macht diese sozusagen einen Abgleich der Fantasie mit der Realität. Sie versetzt sich in die andere Person hinein und versucht unterschiedliche Perspektiven zu betrachten.
Mentalisieren versetzt Menschen in die Lage, sich von impulsivem, zerstörerischem oder selbst-zerstörerischem Verhalten distanzieren zu können, zu reflektieren, anstatt zu handeln, die Wut z. B. zu spüren, sie wahrzunehmen, sie zu beobachten und nicht gleich draufzuhauen. Es geht auch darum Missverständnisse, die entstehen zu verstehen und nachzuvollziehen. 
Wer sich für das Thema interessiert, dem empfehle ich das Buch „Mentalisieren in der psychotherapeutischen Praxis“. Es ist zwar ein Fachbuch, also anspruchsvoll, aber es gibt einen guten Überblick zum Thema zum Buch 
in Beispiel für Euch: Es telefonieren zwei Freundinnen und eine von ihnen reagiert, als sie die andere um einen Gefallen bittet, extrem gereizt. Sie gibt eine sehr patzige Antwort, was nicht ihre Art ist. Wie reagiert die Freundin, die eine solche Antwort erhalten hat? Im Rahmen der Mentalisierung versucht sie sich in die Lage der Freundin gegenüber zu versetzen. Sie bezieht die Reaktion nicht auf sich, sondern hinterfragt die Reaktion und die Beweggründe des Gegenübers. Versucht herauszufinden, warum die Reaktion so ausfällt. Lag es am Thema, oder an bisherigen Erfahrungen ihrer Freundin? Sie versucht vielleicht erst einmal darüber nachzudenken, die Perspektive der anderen anzunehmen und die Situation dann mit ihr zu klären.

Was heißt das nun im Bezug auf Narzissmus und Verletzlichkeit?
Narzissten sind nur bedingt in der Lage zu Mentalisieren. Sie können laut Fonagy nur bedingt sich selbst und das Gegenüber spüren. Es gibt für sie kein „hineinversetzen“ und „hineinfühlen“ in andere. Die eigene Selbstverwirklichung nimmt die erste Stelle vor allem anderen ein.



Narzissmus und Verletzlichkeit: Berührt Narzissten denn gar nichts?

Ich denke, Narzissten werden schon merken, dass sich Menschen durch so ein Verhalten zunehmend von ihnen abwenden. Das wird nicht spurlos an ihnen vorübergehen. Narzissten haben eben auch Krisen und starke Phasen der Depression, die nicht selten im Suizid enden.
Es gibt auch durchaus Momente, in denen man sie ganz leicht reflektiert oder zumindest verletzlich erlebt. In diesen wenigen Momenten kann es vielleicht auch sein, dass sie sich ihres Handelns und ihrer Effekte ein wenig bewusst werden. Trotzdem werden diese kleinen Momente und auch intensive Gespräche mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu keiner langfristigen Verhaltensänderung des Narzissten führen.
Ein anderer Aspekt ist das Narzissten ihr eigenes Verhalten natürlich als „normales Verhalten“ empfinden. Sie glauben, dass die Welt so funktioniert, wie sie diese kennen, dass man andere verletzt um seine Ziele zu erreichen aber eine eigene Verletzung um jeden Preis bedingungslos vermeidet. Das führt zu einem sehr einsamen Leben, besonders im tiefen inneren Kern.
(Mein Artikel umschreibt Narzissten wie auch Narzisstinnen)

Wie sieht die Beziehung zwischen Narzisst und Co-Narzisst aus? Mehr in meinem Artikel "Der (tägliche) Tanz zwischen Narzisst und Co-Narzisst"

...wer schreibt hier?
Mein Name ist Marie und beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Thema Narzissmus. Wenn Ihr mehr über mich erfahren wollt > geht es hier weiter

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http://www.narzissmus-info.com/2017/04/30/narzissmus-und-verletzlichkeit/
Narzissmus und Verletzlichkeit: Warum verletzen Narzissten andere Menschen so sehr?

9 Gedanken zu „Narzissmus und Verletzlichkeit: Warum verletzen Narzissten andere Menschen so sehr?

  • 2. Mai 2017 um 8:22
    Permalink

    Danke liebe Ursula!

  • 2. Mai 2017 um 11:01
    Permalink

    Hi, ich finde diesen Artikel interessant und kann es leider nur bestätigen. Als Betroffene Narzisstin kann ich nur sehr schwer mit Kritik umgehen und schieße immer zurück wenn mir etwas nicht zu passen scheint.

  • 2. Mai 2017 um 11:14
    Permalink

    Narzisstisch gestörte Persönlichkeiten erkennen meiner Erfahrung nach nie die Verletzungen ihres Gegenübers an, erwarten aber von ihrem Gegenüber, dass es Verständnis für ihre eigene Verletzlichkeit aufbringt. Der Narzisst gibt seinem Umfeld subtil zu verstehen, dass er nicht verletzt werden will, und früher oder später verhalten sich alle so, dass sie ihm zum Mund reden und ihm alles recht machen, weil er sich als besonders empfindlich und „sensibel“ darstellt. Und darauf greift er auch zurück, wenn es brenzlig wird-er ist doch selbst soo sensibel, nie würde er beabsichtigen, jemand anderes zu verletzen. Ich denke, der narzisstisch gestörte glaubt selbst daran.

  • 2. August 2017 um 12:08
    Permalink

    Vielen Dank für diese Ausarbeitung. Es hilft immer ein Stück weiter, die vielschichtigen Erscheinungsweisen des Narzissmus zu verstehen oder zu erkennen.
    Ich habe die Symptome bei anderen schneller als früher (da gab es dieses Thema noch nicht so weit verbreitet), erkannt. Ich behandele diese Menschen so, dass sie sich immer bestätigt fühlen, denn nur dann kann ich in deren Gegenwart existieren.
    „Der/ die klügere gibt nach…“
    Ich bin nicht der Meinung, dass es sich bei Narzissten um „Kranke“ handelt. Die Vorstellung, dass diese Menschen ein Schlüsselerlebnis in ihrem Leben gehabt haben müssen, liegt meiner Meinung nach sehr nah an der Ursache ihrer Entwicklung.
    Ich vergleiche auch die ADS /ADHS Symptomatik als „Vorstufe“ von Narzissmus.
    Aber – wollen wir hier nicht von Höxchen auf Stöckschen kommen…
    Vielen Dank nochmals & liebe Grüße aus dem Rheinland

  • 2. August 2017 um 12:10
    Permalink

    ..weiterhin viel Feedback zu den Artikeln… 🙂

  • 6. August 2017 um 15:19
    Permalink

    Lieber Tom,
    ich freue mich über Deinen Kommentar. Das stimmt, Narzissmus ist nicht schwarz und weiß, pathologisch wird es dann, wenn der oder die Betroffene selbst oder andere andere unter dem Verhalten leiden.
    Die Ursache habe ich in einem Blogartikel behandelt. Narzissmus wird laut Experten meistens in der Kindheit manifestiert.
    Liebe Grüße und Rheinland

  • 15. Oktober 2017 um 23:11
    Permalink

    Hallo Marie,
    ich lese mich gerade durch deinen Blog und finde sowohl hier wie auch an anderer Stelle immer wieder die Aussagen, dass Narzismus durch das Verhalten der Mutter entsteht. Vorweg gesagt, ich hätte sicherlich einiges besser machen können bei unserem Sohn, trage jedoch gewiss nicht den Hauptteil der Verantwortung dafür, dass unser Sohn sich zum Narzisten entwickelt hat, ganz klassisch in einer festen Beziehung mit einer Co-Narzistin.
    Gleich nach der Geburt wurde unser Sohn wegen einer Infektion in eine Kinderklinik verlegt, für drei Wochen. Zwei Tage später war ich bei ihm, trotzdem ich selbst noch in einer längeren Behandlung war. Wahrscheinlich war dies schon der Grund dafür, dass er abends nicht schlafen wollte und ununterbrochen schrie. Ja, ich hhabe gerne gewartet, bis er sich beruhigte, und wenn es ganze zwei Stunden dauerte. Sein Bettchen stand neben meinem, so dass ich auch nachts für ihn da sein konnte.Auch mein Mann kümmerte sich all die Jahre liebevoll um ihn, wir beide liebten ihn über alles.Ohne ihn jedoch zu sehr zu verwöhnen!
    ;Mit 17 Monaten lag er erneut in der Klinik, und trotzdem ich dort mit kurzen Unterbrechungen Tag und Nacht bei ihm war, dauerte es nach dem Klinikaufenthalt etliche Wochen, bis er sich wieder gefangen hatte.
    Er zeigte Auffälligkeiten in seinem Verhalten, lernte mal rasch, mal zögerlich. Die Feinmotorik war schwach ausgebildet, und einiges mehr. Sein Sozialverhalten war gut, ab und an jedoch gab es Probleme im Umgang mit anderen Kindern. Und mit uns, mit en Eltern. Wir haben uns professionelle Hilfe geholt, und auch immer alles „Richtig“ gemacht, und das sogar gern und mit ganzem Herzen. Achja, später erhielt unser Sohn die Diagnose ADS.
    Was iwr nicht wussten: die Eltern meines Mannes waren Narzisten; eine Verbindung zwischen Narzisst und Co-Narzisst. Zwar fanden wir beide ihren Umgang miteinander schlimm, nahmen jedoch so viel Abstand wie möglich, und überließen ihnen auch den Enkel nicht mehr als nötig.Da wir aber gemeinsam ein Haus bewohnten, gestaltete sich dies schwierig.
    Als unser Sohn 14 Jahre alt war, stand er eines Abends plötzlich mit einem gezückten Messer vor mir, und schrei mich und meinen Mann an, wir würden die „armen“ Großeltern“ wohl verlassen wollen, und sie mit ihren schlimmen körperlichen Gebrechen im Stich lassen. So hatten wir ihn noch nie erlebt! Als ich ihn mit fester Stimme ansprach, was das soll, ging er auf mich los und mein Mann konnte sich gerade noch auf ihn werfen, und hielt den vor Wut rasenden Sohn fest. Die Wohnungstüre ging aus, der Schwiegervater stand in der Tür und sagte grinsend, er hätte schon die Polizei gerufen! Wir waren fassungslos!
    Jedenfalls zogen wir bald schon aus, vermieteten unsere Wohnung und kauften ein anderes Haus.
    Dort erholte sich unsere kleine Familie wieder, es war nicht einfach, aber es lief ausgesprochen gut. Unser Sohn schaffte in den kommenden Jahren den Hauptschulabschluss, machte den Führerschein, nahm JObs an, hatte Freundinnen und einen Freundeskreis. Er lernte, sein Geld einzuteilen, Papierkram zu erledigen, alles Schritt für Schritt in die Selbständigkeit, und schlußendlich meinte er, er würde „am Ball bleiben“ und sein ADS „schaffen“.

    Bis er seine Partnerin kennenlernte. Die ging gleich zu Anfang auf Distanz zu uns, machte ihm täglich! Geschenke, füllte sein Zimmer mit Beweisen ihrer tiefen Liebe zu ihm, bis er eines Tages schimpfte, dass er sich kaum noch in seinem Zimmer bewegen könne. Es war einfach alles zuviel von allem. Mit mir als Mutter wollte sie überhaupt nicht sprechen, ich weiß bis huete nicht den Grund dafür. Mein Sohn bat mich damals um rat, er war sich nicht sicher, ob er die Freundschaft fortsetzen wollte. Ich habe ihm meine bedenken mitgeteilt, und gesagt, das muss er selber entscheiden. Es fiel mir schwer, ruhig zu bleiben.
    Plötzlich, von einem Tag auf den anderen, wollte er fortziehen, obwohl er lange schon in die freie Wohnung im OG ziehen wollte.Den Grund erfuhren wir trotz Nachfragen nicht. Er zog aus, in eine verrufene Gegend der nächsten Großstadt, wo die Eltern seiner Partnerin lebten. Gleich ins Haus nebenan. Dann besuchte er uns regelmäßig, blieb teilweise bis zu 7 Stunden hier, bis es uns zuviel wurde. Immerhin mussten wir auch arbeiten. Und dann wurde ich hellhörig. Denn er sprach genau dieselben Worte, die ich immer von MEINER Mutter gehört hatte: „Alt und Jung“ unter einem Dach, das geht nie gut!“ Ungefragt und völlig aus dem Zusammenhang!

    Nachdem wir ihm mitgeteilt hatten, dass wir einen anderen Umgang in Bezug auf seine Besuche wünschen, und vor allem langsam auch einmal seine Wohnung sehen möchten (angeblich weigerte sich seine freundin), erfuhren wir von meiner Mutter, wir hätten ihn rausgeworfen, seine grausame Eltern.

    Solche Vorfälle häuften sich, und etliche Gespräche verursachten immer mehr Streit zwischen uns, Gründe wurden seinerseits nicht formuliert, es wurde immer verworrener, er schein verrückt zu werden, anders kann ich das nicht beschreiben. Aber auch meine mUtter zeigte mir gegenüber ein immer seltsameres verhalten.
    Kurz gesagt, es gab richtigen Zoff mit meiner Mutter, und als ich im nachhinein googelte, merkte ich, was abgeht. Auch meine Mutter ist eine Narzistin, jedoch schaffte sie es viele Jahre, nicht aufzufallen. Was mich nur beunruhigte, war die Tatsache, dass, wann immer ich in einem etwas engeren Kontakt zu meinen beiden jüngeren Geschwistern stand, gab es auch zwischen uns Streit! Und als ich mich für eine längere Zeit zurückgezogen hatte, zerwtritten sich auch meine beiden Geschwister!
    Ich nahm zu beiden Kontakt auf. Mein Bruder ist nach vielen Jahren austherapiert. hat DIS und neigt zur gewalttätigkeit. Als ich meine Schwester um einem Gesprächstermin wegen unserer Mutter bat, rastete sie bereits am Telefon aus und beschuldigte mich für Dinge, die 1. in keinem Zusammenhang mit ihr stehen, und 2. nachweisbar gelogen sind. Aus den Gesprächen mit unserem Sohn erzählte sie Details, wo ich mich frage, wie sie das erfahren konnte, wo unser Sohn sie nie besonders mochte, und wo sie all die Jahre doch kaum Kontakt zu ihm hatte?

    Das letzte, was unser Sohn zu uns sagte, war: „ist doch nicht schlimm, wenn wir uns ganz trennen, wenn die Chemie nicht stimmt, dann macht ein Kontakt keinen Sinn.“. Und sinngemäß sagt er, wir seinen die Verrückten, ihm ginge es ausgezeichnet und ihm fehlt nichts.

    Natürlich sehen wir das anders. Er hat keinerlei Kontakt zu anderen, außer zur Partnerin und der Oma, und noch zu meiner Schwester mit ihrer mittlerweile 18-jährigen Tochter, die zum Stolz aller eine Abinote von 1 hat, studiert, und ebenfalls alle Sprüche der Oma ungefragt und an unpassender Stelle anbringt, unreflektiert. Wie alle anderen ist ihre bevorzugte Haltung in Gesprächen bei Nachfragen nur Schweigen. Alle haben unterschiedliche Charaktere, zeigen jedoch dieselben Muster in der Kommunikation, es ist erschreckend. Meine Mutter ist mittlerweile 80 Jahre alt, wird immer einsamer und verbitterter. Auch meine Schwester lebt wie sie alleine, wirkt auch schon verbittert. Und nun rennen schon die Enkel in ihr Unglück, und niemand hält sie auf.

    Es grenzt an ein Wunder, dass mein Mann und ich uns gut verstehen, Freundschaften pflegen und uns jeden Tag freuen können über das Leben, dass wir uns aufgebaut haben abseits der Familientraditionen. Mit allen Vor-und auch Nachteilen. Es tut verdammt weh, aber zu ändern ist wohl nichts.

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